| Konzernzentrale Bonn: Wärmepumpen in SolarWorld |
In ein denkmalgeschütztes stillgelegtes Wasserwerksgelände hat Konzernchef Frank Asbeck den Firmensitz seiner SolarWorld AG verlegt. Der Aufstieg der Stadt Bonn zur Bundeshauptstadt spiegelt sich im Baustil des Gebäudeensembles der ehemaligen ‚Wasserfabrik’ wider: Der ornamentierten Industriekultur der Gründerzeit mit grobem, weißgetünchtem Mauerwerk schließt sich die sehr geometrische Glasbausteine-Architektur der 60er Jahre an, als seinerzeit der alte preußische Bestand mit einem leistungsstarken Neubau erweitert werden musste. Der Wasserdurst der Hauptstadt der Bundesrepublik wollte gestillt werden. Damals, vor 50 Jahren, traf im Areal Technikgeschichte Technikgegenwart. Heute trifft in der Martin-Luther-King-Straße in Plittersdorf Technikgeschichte sowohl Technikgegenwart als auch Technikzukunft: in Form der Auflage, die vorhandene Infrastruktur von Installationen und Leitungen des historischen Wasserwerks in die Nutzung des Objekts als Bürogebäude wie auch in die Beheizung mit einer energie- und ressourcensparenden Grundwasser-Wärmepumpenkaskade zu integrieren. Diese Bedingung stellte eine Herausforderung für alle Beteiligten dar. Beispiel Nutzung:
Der Konzern SolarWorld AG zählt zu den weltweit führenden Anbietern hochwertiger Solarstromtechnologie. Umsatz 2008 rund 900 Mio. Euro, erwirtschaftet von 2500 Mitarbeitern. Das Unternehmen ist auf allen Wertschöpfungsstufen vom Rohstoff Silizium bis zu schlüsselfertigen Solarstromanlagen und Solarstromkraftwerken samt Recycling aktiv und auf allen solaren Wachstumsmärkten der Welt präsent. Die größten Produktionsstandorte liegen im sächsischen Freiberg und in Hillsboro/USA. Pro Wärmepumpe: Im positiven Sinn sicht- und spürbar. Die Baumeister stülpten der denkmalgeschützten Substanz kein spiegelndes Siliziumzelt über, sondern entwarfen eine anmutende Architektur, die äußerst behutsam mit Vergangenheit und Zukunft umgeht, trotzdem aber mit ihren 600 Quadratmetern Photovoltaik in Brüstungen und Dachflächen das Prädikat ‚Solarhaus’ führen darf. Konkret stockten die Architekten den jüngeren Bestand, jenen aus den 60er Jahren, mit einem Großraumbüro als dritte Etage auf. Den benachbarten Verdüsungsturm, der in seiner aktiven Zeit das Trinkwasser mit Sauerstoff anreicherte, trugen sie bis zur ersten Etage ab, um ihn dann als Verwaltungsturm neu aufzubauen. Historische Gebäudekerne, die belassene Natur auf dem Firmengrundstück, Hängebauchschweine und Dammwild im Gesträuch nahe dem Haupthaus, das saubere Kalkweiß der Altfassaden verdichten die fühlbare Friedlichkeit von Unternehmensphilosophie, Geschäft und Produkt – kein Platz für Gas und Öl, natürlich nicht. Frank Asbeck wollte Wärmepumpen und stimmte dem Typ DS 5109 (total 240 kW) zu, weil er auch sein Privathaus mit der Marke WATERKOTTE zur Zufriedenheit temperiert.
Besonderheiten: Die Wärmepumpenkaskade besteht aus zweimal zwei Maschinen. Sie werden abwechselnd als Baugruppe geschaltet, um zwei unterschiedliche Temperaturniveaus anzufahren. Denn der Denkmalschutz hatte an den Altbauten Wärmedämmmaßnahmen verboten. Im Bestand blieben deshalb die gusseisernen Heizkörper, zum Teil ergänzt mit Wandheizungen und Deckenstrahlheizungen. Das zwang die Planer dazu, zwei Temperaturkreise vorzusehen, einen Hochtemperaturkreis bis 65 °C für Räume mit hohem spezifischem Wärmebedarf und einen für Niedertemperaturwärme. Der zweite bedient die Fußbodenheizungen beziehungsweise Betonkernaktivierung und die Deckenstrahlplatten. Zur Speicherung des Heizwassers stellten die Anlagenbauer drei Ladespeicher mit je 1500 Liter Inhalt auf. Zwei Behälter versorgen die Niedertemperaturverbraucher – die auch an die passive Kühlung angeschlossen sind – und der dritte Speicher lagert Vorlauftemperaturen über 50 °C ein. Im Wechsel fahren die beiden Wärmepumpen-Baugruppen die beiden Niveaus an. Da das Heizmedium dem Grundwasserstrom entnommen und dem Rheinstrom zugeführt wird, sind an der wasserrechtlichen Genehmigung mehrere Behörden beteiligt. Für das Grundwasser etwa das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW in Recklinghausen, für Schadensmeldungen am Brunnen die Untere Umweltbehörde der Stadt Bonn. Daraus resultieren verschiedene Auflagen. So ist die Entnahme von Grundwasser auf folgende Mengen beschränkt: 11,6 l/s, 42 m³/h und 30.000 m³/a. Die Einleittemperatur in den Rhein darf 25 °C nicht überschreiten. Der Einleitung vorgeschaltet ist ein Fischteich auf dem SolarWorld-Grundstück, der als Überlaufbecken fungiert.
Bildquelle: Waterkotte |
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| Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 06. Dezember 2009 um 23:30 Uhr |
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